Darf´s auch ein bisschen mehr Leben sein?

Lange habe ich  überlegt, ob ich dies hier mal thematisiere.
Weil es so viel Irritationen bei dem Thema gibt.
Wir idealisiert oder hart kritisiert werden, alles möglich ist zwischen diesen Polen.
Es so sehr darauf ankommt  von wem und mit welchem Interesse wir betrachtet werden.

Es geht um uns , die mit ihrem jungen erwachsenen Kind  aus dem Autismus-Spektrum zusammen leben und versuchen, es bei dem  Schritt in die Arbeitswelt  zu unterstützen.

Unsere erwachsenen Kinder sind es leid, unsere Unterstützung zu brauchen. Verständlich.
Wir Eltern sind nach mehr als 18 Jahren Kampf um Akzeptanz für unsere Kinder erschöpft. Nicht verwunderlich.
Die schwierige Suche nach guten Wegen für beide Seiten.
Frust auf beiden Seiten.
Streit.
Immer wieder Hoffnung, Enttäuschung, Hoffnung.

Was ist passiert?

Solange die Kinder klein sind, ist es relativ leicht zu akzeptieren, dass der Elternjob auch mit sich bringt, sein eigenes Leben zu einem großen Teil darauf auszurichten. Wie alle Eltern verzichten wir einerseits und gewinnen andererseits.
Den Stress mit Behörden, Ärzten, Therapeuten, Lehrern,  bekommen wir gratis dazu.

Wir erleben unsere Kinder nicht nur defizitär, sondern bekommen auch die genialen, charmanten,  talentierten  – also positiven Seiten und Stärken unserer Kinder mit. In dem Maße, wie wir unseren Kindern eine relativ barrierefreie Umgebung schaffen können, sehen wir, wie sie sich darin entfalten. Es gelingt oft, auf diese Weise Hobbies für unsere Kinder zu ermöglichen, solange wir irgendwie als Sicherheitsnetz im Hintergrund  dabei sind. Wir haben eine Idee davon, was gehen kann weil wir unsere Kinder gut kennen und schaffen für sie Möglichkeiten, die von unseren Kindern angenommen werden.

Schule gehört nicht zur barrierefreien Zone. Die Störungsanfälligkeit unserer Kinder dort ist  entsprechend. Der Blickwinkel  auf unsere (und auch die anderen) Kinder sowieso defizitär.
Da hilft  nur Schadensbegrenzung und Wundversorgung.

Oft reicht das nicht und unseren Kindern wird das Recht auf Bildung verwehrt- bis dahin, dass keine (Regel)Schule bereit ist, sich auf viele unsere Kinder einzustellen. Bitter.

Und dann ist die Schule  beendet, die Kinder werden erwachsen. Entwickeln eigene Vorstellungen  vom Leben, formulieren selbst Ansprüche. Das alles ist grundsätzlich toll und fällt in das Kapitel Ablösung von den Eltern ( und umgekehrt). Das ist bekanntlich allgemein kein leichter Prozess aber wenn er geglückt ist, können alle aufatmen.

Perspektiven ?

Jugendliche und junge erwachsene Autist*innen haben jedoch nur eingeschränkte Möglichkeiten, ins selbst bestimmte Erwachsenen-Leben hinein zu  wachsen. Für das Leben in einer Wohngemeinschaft fehlen ihnen vielleicht die Freunde und Bekannte. Möglicherweise ist das auch gar nicht die bevorzugte/passende Wohnform. Alleine wohnen ist oft nicht nur finanziell keine Option, weil es ganz ohne Unterstützung doch nicht geht.
Der Wunsch, endlich aus den Kinderschuhen raus zu wachsen, ist da und kann doch nicht umgesetzt werden.

Der Arbeitsmarkt schreit nicht: hallo willkommen du junger Mensch mit Potenzial!

Vielmehr winken Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit mit eingeschränkten Ausbildungsmöglichkeiten. Und was noch viel schlimmer ist:  es geben sich immer mehr Träger dieser Maßnahmen als Autismus-Experten aus ohne es zu sein.
Scheitern ist vorprogrammiert.
Alternative: Werkstatt für behinderte Menschen?
In Deutschland leider ja.
Niemand ist wirklich daran interessiert, unseren Kindern die erforderliche Unterstützung auch zu geben.
Hauptsache, sie tauchen nicht in der Arbeitslosenstatistik auf.

Und wir Eltern?

Wir sehen uns damit konfrontiert, dass all unsere Bemühungen, unseren Kindern so viel Alltagskompetenz wie möglich zu vermitteln, nicht ausgereicht hat für  einen Job im ersten Arbeitsmarkt.
Es stimmt, wir sind über uns selbst gefrustet, weil wir versagt haben.
Wir sind noch  mehr gefrustet, weil unsere Liebsten es so schwer haben.
Wir noch immer nicht verstehen, wie man denn all die positiven Wesenszüge und Fähigkeiten unserer Kindern nicht entsprechend honoriert.
Weil wir irgendwann nicht mehr da sind und sie dann klar kommen müssen.
Das macht uns Angst und traurig.
Für uns selbst, weil sich unser Leben weiterhin zu sehr an unseren Kindern ausrichtet. Weil es für uns auch als Alte nicht leichter wird, selbst  wenn unsere Energie weniger wird.
Wir selbst keine Belastung werden wollen/dürfen.

Und für unsere Kinder, die nun ins Gröbste rein geschmissen werden, anstatt hinaus zu wachsen. 

Die Situation ist bekannt

Das alles sind keine unbekannten Größen. Auf Autismus-Fachtagen wird  seit Jahren darüber referiert. z.B. dies
Es gibt genügend Literatur dazu.

Was fehlt, ist der gesellschaftliche Wille, das wirklich zu ändern. Beispiel: die Verabschiedung des Bundesteilhabegesetzes  letzten Donnerstag.

Noch weniger spricht man über die  Menschen in Pflegeverantwortung.
Dazu gehören ja nicht nur die Eltern, auch Geschwister können damit konfrontiert sein.
Alles nur  Privatsache?

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Von wegen Teilhabe

Ich habe hier des Öfteren über den Irrsinn, eine Diagnose als Voraussetzung für Hilfemaßnahmen für ADHSler, Autisten und andere Menschen, die kein reibungsloses Rädchen im kapitalistischen Getriebe sind, geblogt. hier , hier und hier 

Oft habe ich auch schon darüber geschrieben, dass wir mit viel Mühe, Verständnis, Kreativität und Forschergeist immer wieder Lösungen gefunden haben, die zumindest eine gewisse Lebensqualität ermöglichen und uns den Spaß am Leben grundsätzlich nicht verderben. Dazu hier und hier

Stimmen die Rahmenbedingungen, erleben wir immer wieder Zeiten, in denen alles einigermaßen reibungslos läuft. Vor allem von außen betrachtet. Diese Rahmenbedingungen sind aber meistens starr, wachsen nicht mit.
Beispiel gefällig?
Eine zunächst äußerst stärkende und motivierende Tätigkeit unterfordert auf lange Sicht, überfordert aber zugleich durch äußere Störfaktoren wie Instabilität des Gruppengefüges und damit Tagesablaufs/Arbeitsalltags.
Oder der nächste Entwicklungsschritt raus ins Erwachsenenleben war eine Nummer zu groß und es muss wieder einen Gang runter geschaltet werden.
Aber wohin?

Sollte eigentlich kein großes Problem sein.
Passgenaue Unterstützung kann helfen und weiter gehts.

Träum weiter, liebe LeidenschaftlichWidersynnig.

Nein, nun geht der ganze Spaß wieder von vorn los.
Grundsätzlich sieht sogar die Bundesanstalt für Arbeit ( BA ) , dass Unterstützungsbedarf besteht.
Selbstverständlich müssen dafür Diagnosen her, dazu habe ich mich hier schon ausgelassen.
Klar, der ärztliche Dienst der BA wird dann auch noch einmal bemüht, die Diagnose könnte ja unzutreffend sein.
Macht doch nichts, wenn ein junger Mensch, der sich gerade damit abfinden muss, es nicht allein zu schaffen, jetzt auch noch mal hier und da vorgeführt wird, inklusive Demonstration seiner Defizite in Großformat.
Macht doch nichts, wenn die Mutter, die versucht, trotzdem Mut zu machen obwohl sie darum ringt, den eigenen nicht zu verlieren, zum wiederholten Mal durch die Bürokratie turnen muss.
Macht auch nichts, dass das alles ewig dauert und in dieser Zeit ein junger und im Prinzip motivierter Mensch ohne sichtbare Perspektive gelassen wird.

Was kostet die Welt?

Teenie will flügge werden.
Will raus in die Welt.
Möchte dabei Unterstützung.
Ist bereit, die Kröte “ ich bin behindert“ zu schlucken.
Hauptsache, es geht endlich los.

Niemand der professionellen Unterstützer fragt: was ist deine Idee?
Was brauchst du dazu?

Statt dessen darf Teenie X mal schildern , was sie alles nicht kann, was alles Probleme macht, wird vorgeführt und durchleuchtet und die ganze Familie gleich mit.
Weil die Teilhabe möglichst wenig kosten soll.
Weil eine schlechte, kostengünstige Unterstützung wie Berufsorientierungs-Warteschleifen Alibi genug sind, den sogenannten Anspruch auf Teilhabe an der Arbeitswelt abzufrühstücken.

Denkste Puppe.
Widersynnig wäre nicht Leidenschaftlich wenn sie das hinnähme.
Und Teenie nicht mein Ableger, wenn sie da nicht eigene Vorstellungen zu hätte.

Zu gerne hätte ich weiter über unser Leben mit neurologischer Sonderformatierung geplaudert, ohne diese ständig zum Thema zu machen.
Weil sie NICHT unser Dauerthema ist.

Daraus wird wohl nichts.
Die nächste Runde ist eröffnet.

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Her mit dem Stigma!

„Situationsanalyse und sozialpädagogische Diagnose ergeben ein klares Bild, das Frau X die Jugendliche Y bisher hervorragend unterstützt hat. Es ist nun an der Zeit, Y , die sich im Abnabelungsprozess von der Familie befindet, externe Unterstützung anzubieten, damit gleichzeitig Frau X zu entlasten und ihr wieder Freiraum für die eigene Weiterentwicklung zu schaffen. Die Unterstützung der Y erfolgt im Hinblick auf die von ihr zu erbringenden besonderen Leistungen beim Übergang in das Erwachsenen-Leben. Es besteht ein Anspruch auf Unterstützung gemäß §§ …….“

Ja!
Nach jahrelangem, kräftezehrendem Begleiten eines Kindes mit speziellem Betreuungsbedarf im familiären Miteinander,  bei der Erlangung von Alltagsfertigkeiten, Schule, Freizeit und gleichzeitiger Stärkung besonderer Fähigkeiten und Begabungen wären diese Worte Ausdruck der Anerkennung und Wertschätzung elterlicher ( hier alleinerziehender, berufstätiger ) Höchstleistung und gleichzeitig ein Signal an den jungen Menschen, dass es sich lohnt, ihm, der seinen Weg in die ‚Normalo-Welt‘ so mühsam finden muss, individuelle Orientierungshilfe anzubieten. image

Wären?
Unser Jugendamt ist wirklich o.k. Verständige und engagierte Mitarbeiter. Schnelle Bearbeitung. Eine für alle akzeptable und vorwärts weisende Maßnahme.

Aber….
Um den Anspruch auf Unterstützung zu begründen, müssen die Voraussetzungen des Gesetzes erfüllt sein. Und dieses spricht von hilfebegründenden Defiziten. Bei den Eltern und Kindern. Worte wie Überforderung, Probleme usw. im amtlichen Bescheid brennen wie Feuer. Da kühlt auch der Gedanke, dass die beteiligten Sozialpädagogen das gar nicht so sehen, sondern eher Respekt vor dem, was wir geschafft haben, ausdrücken und eifrig dabei sind, sich auf unseren Kenntnisstand bzgl. Synästhesie, Hochsensibilität & Co zu bringen, nicht wirklich.

Schwarz auf weiß.
‚Ihr kriegt es nicht hin‘.
Der Preis, den Familien wie wir immer wieder zahlen müssen.

Da wundert es nicht, dass viele Familien den Gang zum Jugendamt scheuen.

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Flow

So leicht kann leben sein.
Teenie hat sich verabschiedet, um mit dem Studi-Nachbarn die Welt der Kunst- Uni zu erkunden.

Eben noch geplant, die unerwartet freie Zeit in der Frühlingssonne zu verbringen, fange ich an, ein wenig ‚ klar Schiff ‚ in der Wohnung zu machen. Ausnahmsweise gefällt es. Dabei sind auch Dinge, die eigentlich Teenie machen müsste. Aber so ist das nun einmal: ein Leben mit und wie NT’s fordert Zeit und Kraft. Da bleiben Pflichten eben liegen. Ich freue mich für sie für diesen Nachmittag.

Immerhin muss ich nicht einkaufen, das machen die beiden Youngster.

Zeit für ein Päuschen und ein Telefonat, welches zeitlich etwas ausartet. Macht nichts. Die Sonne sah das anscheinend nicht so, hat sich zurückgezogen und lässt sich von Regen, Wind und Hagel vertreten.
Auch gut. Bleib ich heute hier.
Noch ein Käffchen…..

Pünktlich zur Abendessenszeit stehen zwei völlig durchnässte, gut gelaunte und hungrige Ausflügler – ohne Einkaufstaschen – vor mir.

Zum Glück gibt es noch Suppe von gestern.
In der Aufwärmpause für Mensch und Nahrung trudelt Nachbarin 2 , knapp über 20 und Erzieherin, bei uns ein.
Ach ja, Teenie wollte ja Regeln vereinbaren und hat sich Unterstützung organisiert.

Während die Mädels sich zur Beratung zurück ziehen, decke ich den Tisch.
Eigentlich ist doch alles ganz einfach. Es braucht nur ein paar zugewandte, unvoreingenommene Menschen. Diese beiden jungen Menschen in unserem Haus sind das Gegenteil von dem, was von der Jugend allgemein behauptet wird…

Das Abendessen verläuft in angenehmer Atmosphäre. Was essen wir morgen ohne Einkauf?
Teenie macht seit einigen Tagen Praktikum in der Küche und hatte uns Bekochung in Aussicht gestellt.

Die Lösung für den Versorgungsengpass ist schnell gefunden.
Den Fischmarkt quasi vor der Tür sichere ich meinen Teil zum Sonntagsschmaus zu.

Bio ist nicht nur gesünder und schmackhafter, sondern auch günstiger.

Das stelle ich für mich seit einigen Wochen fest.
Zu einem guten Teil habe ich mich vom Einkaufsstress befreit und eine Biokiste abonniert.

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Erst hatte ich Bedenken, ob ich das Zeug auch verbrauche. Aber wir essen seitdem nicht nur geplanter, sondern es landen auch keine
‚ach je, das-habe-ich-ganz -Vergessens‘
mehr im Müll.
Für mich dürfte es maximal 2 Sorten eines jeden Produktes geben, es dürfte niemals umgeräumt werden im Discounter und Sonderangebote bräuchte ich auch nicht.
Warenvielfalt – nein Danke!

Nun aber werde ich mich auf den Fischmarkt begeben, wo ein vermeintliches Angebot das andere überbietet.

Luft – Eiweiß – Vitamin- Diät

Großstadtstrassen ohne Autos, Sonne satt und kühle Luft.
Ich sollte mir eine kleine Sonntags-morgens-Radtour angewöhnen.
Natürlich ist es auf dem Fischmarkt laut und wuselig.
Es wird etwas geboten für die Touris. Hamburg soll so aussehen, wie sie es sich vorstellen.
Es ist schon lange her, dass ich hier war.
Zur Orientierung drehe ich zunächst eine Runde.
Und schon geht es los: sieht dieser Fisch besser aus als der da drüben? Welcher ist günstiger?
Kann ich auch kleinere Mengen kaufen?
Wo ist der Haken? Viel Ware für wenig Geld….da muss doch etwas nicht stimmen. Davon ausgehend, dass hier kein Standbetreiber steht, der nichts verdienen will, kommen ja nur ‚ Mogelpackungen‘ oder Niedrigstlöhne im Hintergrund in Frage. Oder beides.

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2 alte Bauern verkaufen lebende Hühner und Kaninchen.
Bisschen Obst aus dem Alten Land.
Auffallend viele gleichartige Obststände mit identischen Angeboten, nicht von hier.
Holländische Blumen.
Schmuck und Nepp für die Lieben zu Hause.
Bratwurst, Fischbrötchen und Bier.

Als Einheimische weiß ich, dass man bis kurz vor Torschluss warten muss, um halbwegs günstig einzukaufen.
Ich spaziere in die Fischauktionshalle, wo mir laute Rockmusik entgegendröhnt.
Die Musiker dieser Cover-Band nicht mehr ganz frisch, die Songs auch nicht, dafür aber ihre Musik. Gefällt mir.

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Noch etwas mehr als 30 Minuten bis Marktschluss.

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Den Fisch für Teenies Menü habe ich schon, ungefähr doppelt so viel, wie wir brauchen.
Und Matjes, an dem ich einfach nicht vorbei kam, obwohl ich den Trick wirklich blöd fand:
4 Stück 5 €, 2 Stück gibt‘ s nur für den Einzelpreis à 2 € – arghhh!

Mich zieht es zum Bäcker an der Ecke mit den Tischen in der Sonne. Ein Cappuccino und dabei überlegen, was ich noch an Obst mit nehme. Wo wollte ich das noch holen? Lieber einzeln oder …..

Welches Nahrungsmittel in welcher Menge in welcher Ausführung?

Ich hab’s gewusst.
Verglichen mit dieser, alle Sinne ansprechenden Frage sind die Entscheidungen, die ich täglich beruflich zu treffen habe und die von vielen Menschen für kompliziert gehalten werden, ein Kinderspiel.

Das Schlusssignal ertönt. Nun aber.
Natürlich finde ich den Stand, an dem ich die besten Sachen gesehen habe, nicht mehr. Menschen aus den umliegenden Wohnhäusern kommen schnell noch vorbei, jetzt ist es ihr Wochenmarkt.
Die ersten markenbekleideten Elbjogger trippeln durch das Treiben.
Menschen in abgetragenen Klamotten schauen schon einmal, was heute so liegen bleibt.

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Völlig überfordert in dieser Endverkaufsstimmung schaffe ich es nicht, mir selbst mein Obst zusammenzustellen und ich nehme für einen 10er, was ich kriegen kann. Und deutlich mehr ist, als wir in den nächsten Tagen essen werden.
Puh.

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Zu Hause himmlische Ruhe .
Teenie schläft noch.
Ich breite meine Beute aus.
Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden.
Ein kleines vorgezogenes Mittags-Nickerchen und dann ein leckeres 2. Frühstück, das für Teenie das Erste ist.
Der Matjes …hmm.

Teenie fängt gleich mit der Planung des Essens an.
Nein, keine Hilfe. Das ist ihr Ding.
Später folgt in Seelenruhe ein Arbeitsschritt dem Vorigen.
Hier wird nicht einfach drauflos geschnippelt, sondern gerade erlernte Schneidetechnik geübt. Da braucht man keine hektische Mum in der Nähe, die dilettantisch ergebnis – und zeitorientiert Gemüse zerhackt.
Im Hintergrund der Ton eines englischsprachigen, schon x – Mal angesehenen Animé.
Zufrieden mit sich selbst.

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Ein Wochenende, das sorgsam in meiner Schatztruhe verstaut wird.

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L-W-o-mat

Kurz-pro-gramm-40 °.
Un-sor-tiert.
Mehr-gibt-es-heu-te-nicht.
Es-gibt-auch-kein-Lieb-lings-ess-en.
Ja-ich-kümm-e-re-mich-um-das-Not-wen-dig-ste.
Nein-mehr-geht-nicht.

Wenn-du-zor-nig-bist-dreh-die-Mu-sik-auf.
Bei-Angst-komm-zu-mir-a-ber-ru-hig.
Sprich-mit-mir-wenn-du-trau-rig-bist.
Bei all-en-an-de-ren-Be-find-lich-kei-ten-sieh-zu-wie-du-klar-kommst.
Zan-ke-heu-te-nicht.
Bi-tte.

Ak-ku-leer – – – Ak-ku-le- – – – Ak-ku-l- – – – – –

Man muss kein hochsensibles Kind haben, um zu wissen, wie wichtig es für Kinder / Jugendliche ist, dass wir Eltern in Krisenzeiten verlässlich funktionieren.
Denen aber, die über eine besonders geschärfte Wahrnehmung verfügen, kann man noch weniger als anderen vorgaukeln, dass der Fels in der Brandung unerschütterlich steht, wenn er dabei ist, von den Wassermassen davon gerissen zu werden.
Da hilft kein sich Zusammennehmen.

(Hoch)Sensible Kinder reagieren häufig extrem mit Wut, Zorn, ziehen sich zurück.
Physisch und psychisch.
Nicht selten führen diese Stresssituationen zu psychsomatischen Erkrankungen.
Jugendliche, welche aufgrund ihrer Besonderheit einsam sind, und das sind insbesondere die aus dem autistischen Spektrum, haben keine Möglichkeit, ihre Angst und Verunsicherung mit anderen gemeinsam zu verarbeiten.
Kein gemeinsames Lümmeln auf dem Sofa und Gerede wie:
Oh Mann, wenn ich 18 bin ziehe ich aus, das nervt alles, stell dir vor, du würdest auf dem Mars leben, ich skype lieber von da aus, meinst du, man wird wiedergeboren, ist doch voll unlogisch, dieses Spektakel, und dann allen Menschen die Hände schütteln, sogar Fremden, lass‘ mal das Stück von xxx hören, aber laut!

Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.(1)

Diese Jugendlichen ängstigen sich auch um den Bestand der täglichen Routinen.
In dieser Gefühlslage sind sie kaum in der Lage, Rücksicht auf den Garanten des sicheren Alltags zu nehmen.

Ich bin sicher, im Kleinen kennen alle Eltern das.
Ist die Mutter krank, quaken die Kids umso mehr.

Hat jemand eine Vorstellung davon, wie das im Großen ist?
Diese Tage höre ich immer wieder den gut gemeinten Rat: pass auch auf dich selbst auf.
Ja, sag ich dann, wie soll das konkret aussehen?
Nicht eine brauchbare Antwort habe ich auf diese Frage bekommen.

Ich bin kein Typ für Ruhe.
Bewegung ist mein Wasser, in dem ich mich wohl fühle wie ein Fisch.
Denken beim Gehen . Beim Reden. Schreiben.
Schon in guten Zeiten schaffe ich es nicht, ein Hörbuch durchzuhalten.
Wenn ich mich konzentrieren will, gehe ich ins Café.
Arbeiten in der Stille: nur wenn ich direkt aus dem Schlaf komme, dann aber richtig produktiv. Die einzige Tätigkeit, die zwischengeschaltet werden darf ist Kaffee kochen. Schon duschen zerstört die Konzentration auf das Arbeitsergebnis der Nacht.
Ich brauch‘ so etwas wie eine Fotolinse, um langsam ( achtsam ? ) durch die Welt zu gehen.
Teenie bevorzugt das Gegenteil.
Das macht es nicht einfacher.

Antworten, die ich für mich geben kann:
1. kleine Ich-Inseln im Chaos ( z.B. Cello, Chor , Uni, schreiben )
2. Teenie gut versorgt wissen
3. die kleinen entspannten Momente mit Teenie genießen
4. um Hilfe in kleinen Dingen bitten und annehmen, was mir schwer fällt
5. nichtexistenzielle Pflichten aussitzen

Nach dem großen Wurf suche ich seit Jahren.
Warum soll er gerade jetzt gelingen?

Unser Sozialwesen sieht niedrig-schwellige, schnelle Unterstützung für Familien in Krisen nicht vor.
Keine Familie oder Freunde vor Ort?
Pech gehabt.
Wer ein Kind hat, das wegen seiner Eigenheiten nicht mal eben weg organisiert werden kann, erst Recht.
Da bleibt nur: funktionieren, irgendwie.
Wir sind eben kein notleidendes Bankhaus. Da hätte unser Staat sicherlich fix ein Hilfspaket zusammengeschnürt.

Unser Haus schwankt, aber das Fundament ist fest.

Aber sogar jetzt gibt es einen Grund zum Staunen und zur Zuversicht.
Wieder einmal erlebe ich, wie treffend, klar und weitsichtig Teenie die Situation erfasst, ihre Bedürfnisse messerscharf artikuliert und gute Entscheidungen für die kommenden Tage trifft.

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Hochsensible,  Synästhetiker_innen,  ADHSler_innen und Autist_innen haben in erster Linie ein ‚Mehr‘, nicht ein ‚Weniger‘.

Wenn man sie lässt und ihnen hilft, finden sie ihren Weg.
DAS ist die große Lösung.
Nicht nur für mich.
Fast alle Eltern werden das ( in Ansätzen) verstehen.

(1) John Lennon

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Hilf dir selbst….

….dann hilft dir Gott.

Die zentrale Lebensweisheit meiner Großmutter.
Nach 2 Weltkriegen und anderen schwierigen Lebenslagen war das ihr Überlebensmotto, welches sie an mich weitergab.
Nicht das Schlechteste, wie ich finde.

Hat aber auch eine Kehrseite.
Unser Sozialstaat ( oder das, was davon übrig ist) , hilft denen, die es nicht mit eigener Kraft schaffen.
Ein Prinzip, das ich unterstütze.

Aber dann fängt die Krux schon an.
Wieviel Kraft muss der/die Einzelne haben, bevor er/sie Unterstützung bekommt?
Ich schaue mich mal um:

Elternini.
Hier treffen sich Eltern ( meist Mütter) die autistische Kinder haben. Die meisten leben in Partnerschaft und der weibliche Elternteil hat seine Berufstätigkeit an den Nagel gehängt , drastisch runter gefahren oder sich dahingehend umorientiert, dass die Tätigkeit dennoch bei gleichzeitiger Betreuung ( die oft Anwesenheit bedeutet) möglich ist.
Alleinerziehende schaffen es kaum, regelmäßig dabei zu sein.
Hilfe von außen steht und fällt mit einer Diagnose des Kindes.
Rechtsstreitigkeiten um Schulbegleiter und Familienhilfe sind an der Tagesordnung.
Muss ich erwähnen, dass sich hier eher gut situierte, informierte und organisierte Menschen treffen?
Depressionen/ Burn Out sind diesen Familien nicht fremd.

Ärzte.
Ihnen fällt schon mal auf, dass die Eltern ( Mütter ) Entlastung bräuchten. Vielleicht verschreiben sie eine Mutter- und Kind Kur.
Sie geben Tips wie: machen sie mal was schönes für sich usw.
Manche schreiben wenigstens mal für eine Woche krank.
Ansonsten: die meisten haben einfach keine Ahnung, wo und wie die Betroffenen Hilfe bekommen können.
Über Vernetzung viel wird gesprochen….aber vielleicht sind damit nur Twitter & Co gemeint.

Beratungsstellen.
Die erste Frage lautet: gibt es einen Schwerbehindertenausweis?
Wenn nein, dann Pech.
Hat man sein Kind unter Aufbietung aller Kräfte , oft unter Missachtung der eigenen Ressourcen, dahin gebracht, dass es ohne Schulbegleiter auskommt, einen Schulabschluss hat, sich relativ selbstständig und sicher in der Welt bewegt, hat man selber Schuld.
Dass eben diese Funktionsfähigkeit nach wie vor davon abhängt, dass es eine immer noch intensive Unterstützung aus der Familie gibt, ist egal.
Was ist das denn: Ein Schwerbehindertenausweis für das Kind, wenn die Mutter/Familie Unterstützung/Entlastung braucht?
Davon ganz abgesehen, dass man den nicht hinterher geschmissen bekommt. Bei nicht sichtbaren “ Behinderungen“ kann es einem durchaus passieren, dass 3 Ärzte 4 Diagnosen stellen oder dem Sozialträger später dennoch gar nichts auffällt.
So ähnlich wie bei Opi, bei dem auch immer alles klappt, wenn der medizinische Dienst eine Pflegestufe feststellen soll.
Die Rechnung ohne den/ die Jugendliche_n sollte man schon gar nicht machen.
Es ist ihr/sein Leben.

Stiftungen, und Vereine.
Versuchen oft, diese Lücke zu füllen. Aber in Zeiten knapper Kassen kann da eher mal ein Laptop spendiert, als ein Mensch organisiert werden, der sich regelmäßig mit dem/ der Jugendlichen trifft und die Dinge macht, die andere Jugendliche in einer Peergroup erleben: Gespräche übers Leben, Perspektiven, Wünsche und Träume, Hobbys nachgehen oder einfach nur mal rumhängen und quatschen.
Rar sind die Möglichkeiten für Jugendliche über 14; das hängt wohl davon ab, aus welchem Topf die Zuwendungen für diese Vereine gespeist werden.
So werden ältere Jugendliche dann in dieser besonders wichtigen Zeit der Orientierung/ Weichenstellung im Übergang von Schule und Beruf auf sich allein zurück geworfen.
Oder auf Lehrer ( wie unspannend ) und Eltern ( wie nervig ).
Ältere Geschwister sind ebenfalls kein Segen…häufig viel zu nah dran.

Jugendzentren, offene Jugendarbeit.
Existiert kaum noch. Wenn, dann eingebunden in die Ganztagsschulen.
Wenn die Kids frei haben, haben sie oft geschlossen .
Jugendliche Steppenwölfe verirren sich dort eher selten hin.

Vergiss alles, was du über Prävention weißt.

Nüchterne Erkenntnis ( nicht neu, sondern wieder einmal bestätigt):
Solange du nicht (wieder) ernsthaft krank bist, dein Kind nicht offensichtlich an fast allem scheitert, du nicht arbeitslos bist oder Hartz 4 beziehst, und sei es nur als Aufstocker, mach weiter wie bisher.
Belästige unsere Gesellschaft nicht.
Die ist für dich da, wenn du verarmt bist, nicht mehr Arbeiten kannst und auch dein Kind gar nicht mehr auffangen kannst.
Sie zahlt dann deine langwierigen Behandlungskosten, übernimmt Transferleistungen und für dein Kind die Kosten in einer Jugendwohnung.
Bitte, komme uniformiert in die Beratungsstelle / Arzt/ Jugendamt.
Oder stell dich doof.
Gebe dich ohnmächtig.
Geh‘ in Jogginghose hin.
Bringe „um Himmels willen“ unser Bild von hilfsbedürftigen Menschen nicht durcheinander.

Vielleicht wirst du dann geholfen.

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Alternativen:
1. gewinne im Lotto
2. such dir einen alten, reichen Mann
3. Banküberfall ….ach nee, das klappt nicht.
4. Gesellschaftspolitisches Engagement: hilft nicht sofort aber wenigstens bist du nicht nur Opfer

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Räuberleiter

Gardinenpredigten.
Ungern gehört, gerne gehalten.
Wer kennt das nicht.

Dabei bringen sie absolut nichts. Das weiß jeder.
In ein Ohr rein, in’s andere raus.

Klärende Gespräche sind auch nicht viel besser.

Erkenntnis muss fühlbar und erfahrbar sein.
Dann kommt man einen Schritt weiter.

Der Freund, der sich mit dir in der Volkshochschule anmeldet.
Die Chefin, die dir Arbeit gibt, die du bewältigen kannst, aber nicht darunter zusammenbrichst.
Lehrer/innen die an dich glauben und nicht nur so tun. Dich in die Verantwortung nehmen, nicht in die Mangel.

Projekte, die Kids positive Erfahrungen ermöglichen.
In Zeiten der Sparpolitik rar gesäht.
Aber es gibt sie, meistens weil sich Menschen für Handeln statt Reden entschieden haben.

Eines, das wichtig für uns war : Crossover e.v.

Wir haben es nicht so mit Mannschaftsport, aber Musik und die Themen binationale Familie, ADHS &Co.
Das langt um Anlass für Endlospredigten aller Gefragten und Ungefragten zu geben.

Was hier läuft, kann man nicht durch labern ersetzen:

Voices / Funk Ex Machina

„Voices / Funk Ex Machina“ ist ein Chorprojekt für Jugendliche aus ganz Hamburg, bei der es um die Auseinandersetzung mit der Stimme im doppelten Sinne geht. Unter der Leitung der Vereine Crossover e.V. und The Young ClassX e.V. sollen die Jugendlichen einerseits musikalisch an ihrer Stimme arbeiten und ausprobieren, was man alles mit seiner Stimme machen kann. Andererseits geht es darum, die gesellschaftliche Funktion der Stimme zu begreifen. Das Projekt soll Stimmen sammeln, ungehörtes hörbar machen und Menschen thematisieren, die durch ihre Stimme etwas verändert haben.
Inzwischen hat sich das Beatboxen, obwohl immer noch fester Bestandteil des Hip-Hops, emanzipiert und stellt heutzutage eine eigenständige Ausdrucksform dar, die Einflüsse aus allen Musikrichtungen vom Jazz bis hin zur Worldmusic verarbeitet.

mehr

Gut, dass es immer wieder Leute gibt, die nicht die Haltung haben : bringt doch alles nichts.

Aber man muss kein Projekt ins Leben rufen, um dazu zu gehören.
Sich Gedanken um andere machen, Ideen und Impulse und einfach mal ein wenig Zeit investieren.
Das langt oft schon.

Ich hatte Glück und bin immer wieder auf solche Menschen getroffen.
Das hat mich wirklich weiter gebracht.

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