B-wort und auch-Diskussion

Gestern hörte ich sie wieder, die Frage, die mich jedes Mal in einen emotionalen Strudel von Wut, Verzweiflung, Hilflosigkeit und Zweifel stürzt.
Was ich mir selbstverständlich nicht anmerken lasse, höre ich sie doch seit vielen Jahren.
Immer dann, wenn die Welt draußen meinem Teenie klar macht: du gehörst nicht richtig zu uns.

Ein “ Lückenkind „, das weder in die Schule passte, noch zu den Schulabbrechern mit überwiegend sozialen Schwierigkeiten gehört und nun dennoch in deren Mitte versucht, für sich einen Weg zu finden.
Das in einer Musikgruppe spielt, in der nur Gymnasiasten sind, die neben der Schule auch noch Kraft für Einzelunterricht , Auftritte und andere Hobbys haben. Belastbar eben.
Das nicht in einem Schonbereich leben möchte und doch in der Welt der Neurotypischen Menschen immer wieder an (seine) Grenzen stößt.

Mum, hättest du lieber ein anderes Kind gewollt?

Ja, Pubertät ist für diese Art Fragen typisch, meist jedoch als Vorwurf an die elterliche Instanz gerichtet: ihr hättet wohl lieber so ein braves Vorzeigekind bekommen …usw.
Wenn’s nur Pubertãt wäre, hätte diese bei uns schon im 4. Lebensjahr begonnen.

In ihrer Frage kein Hauch von Vorwurf.
Unsicherheit, ganz tief.
Wieviel elterliche Liebe und Akzeptanz braucht mein Kind, um sich unserer/ meiner sicher zu sein?
Darin verborgen auch Tennies Wunsch, eine Andere zu sein, nicht besonders…. und doch wieder nicht.
In diesen Momenten, wenn Teenie stinkwütend nach Hause kommt, verzweifelt an sich und an diesem vertrackten Leben, das sie nicht dort hereinlässt, wo die anderen sind, bleibt uns nur das Bündnis gegen Konventionen, die nicht richtig sind, gegen Maßstäbe, die nicht die unseren sind und wenn wir es schaffen : der Blick auf Fähigkeiten, von denen all die Menschen, die diese Maßstäbe aufstellen, da draußen noch nicht einmal ahnen, dass man sie haben kann.

20130818-113236.jpg

Während Teenie schon längst über den akuten Frust hinweg ist und sich den schönen Seiten des Lebens zuwendet – chillen bis der Arzt kommt – bin ich immer noch mit dem Unverdaulichen beschäftigt.

Meine Elterni schickt einen Artikel aus Die Zeit herum.

Dass es dich gibt
…..Das Wort »Behinderung« nehmen wir lange nicht in den Mund. »Das B-Wort«, sagt mein Mann. Als brächte es Unglück, es auszusprechen…..

Er kommt gerade richtig, auch wenn wir eine nicht sichtbare – und viel mildere – Thematik haben. Dennoch erkenne ich mich in Vielem wieder.

Um wie viel diffiziler die Problematik bei Beeinträchtigungen, die nicht sichtbar sind, ist, zeigt eine Diskussion um das kleine Wörtchen „auch“ im Blog aspergerfrauen.

„Du fährst nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln, weil du die vielen Menschen und das Gedränge nicht ertragen kannst? Ich mag das auch nicht und muss trotzdem jeden Morgen mit dem Bus zur Arbeit fahren.“
Würde jemand zu einem Rollstuhlfahrer sagen: „Du fährst nicht mit dem Zug, weil es an der Haltestelle keinen Aufzug gibt? Ich mag es auch nicht, Treppen zu Fuß hinaufgehen und fahre trotzdem jeden Morgen von dieser Haltestelle aus zur Arbeit.“? Wohl kaum.

Neben vielen Verletzungen und des Gefühls, von niemandem verstanden zu werden, welches dieses Wörtchen uns oft gebracht hat, empfinden wir es heute doch eher als hilfreich.
Man kann Menschen leichter etwas klar machen, wenn man an ihr eigenes Empfinden anknüpft:
“ Stell dir vor, du hattest Fieber, bist nun ganz wackelig auf den Beinen, musst aber einkaufen gehen. Während dessen fragt dich jemand das große 1x1ab. Du versuchst natürlich, alles richtig zu beantworten. Wie geht es dir damit? “ – Und stell dir jetzt mal vor, dass es für dich fast jeden Tag den ganzen Tag so ist…..“
Nicht so schwer.
Auch …kann ein gutes Wort sein.

Ihr wisst sicherlich, was ich meinem Kind geantwortet habe.
Und es stimmt, aus tiefstem Herzen.

Was ich aber nicht gewollt habe, sind die in den beiden Quellen zum Ausdruck kommenden Rahmenbedingungen.
Teenie ist ein Kind dieser Zeit – mit ihren vielfältigen medizintechnischen Möglichkeiten, über die sie selbstverständlich liest und hört. Und sich Gedanken macht.

Das bringt einen ganz besonderen Zungenschlag in die Frage: hast du mich lieb so wie ich bin?

Ich freue mich über Feedback. Um einen Kommentar zu schreiben, muss man nicht registriert sein.

JEA! – Jedem einen Abschluss

Manchen Kids fällt es schwer, einen Schulabschluss zu erlangen.
Was nicht unbedingt mit Intelligenz zu tun hat.

Nachhilfe, Förderunterricht, Lerntherapie bringen oft nicht den gewünschten Erfolg.
Zu vielfältig sind die Ursachen für Schulfrust.
Oft wird sogar viel gelernt und gekonnt und dann klappt es bei den Test oder mit der mündlichen Mitarbeit im Klassenverband doch nicht.
Wiederholtes Schulversagen nagt am Selbstbewußtsein und die Motivation sinkt.

Ich möchte heute einen kleinen Verein vorstellen, der in überwiegend ehrenamtlicher Tätigkeit ein tolles Projekt für diese Kids entwickelt hat : SchlauFox e.V.

JEA! – das ist der Ausruf, wenn man etwas geschafft hat und sich darüber freut. Und genau das wollen wir mit den jungen Menschen erreichen.

20130516-000748.jpg

Mit Jedem einen Abschluss reagiert SchlauFox auf die hohe Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss und setzt dort an, wo sie noch eine realistische Chance haben: in der Schule.
Mit einem Team aus 4 Mitarbeitern und 1 Koordinator begleiten wir wöchentlich eine Gruppe von 15 Jugendlichen aus der 8. Klasse durch fachliche Nachhilfe, Beratung und Coaching auf ihrem Weg zum Hauptschulabschluss.

2 Schuljahre lang werden die Kids nicht nur in den drei Hauptfächern von Lehramtsstudierenden unterrichtet, sondern erhalten ein richtiges Coaching. Für Kids, die mehr Orientierung im Schulalltag brauchen, als Schule und Lehrer bieten können.
In erster Linie werden hier Beziehungen zu den Coachees aufgebaut….und auch die Gruppe wächst im Laufe der Zeit zu einer “ Wir wollen es schaffen – Gemeinschaft “ zusammen. Dass jemand das Coaching abbricht ist die Ausnahme. Auch wenn es einmal schwer fällt, die beiden zusätzlichen Stunden bis in den Nachmittag hinein in der Schule zu bleiben.
Gemeinsames Kochen und Wochenendworkshops, in denen u.a. eine Probe-Prüfung geschrieben wird, runden das Projekt ab.

Für die Kids toll: die Coaches sind noch sehr jung, benoten nicht und sind hoch engagiert.
Viele von Ihnen kennen Schulprobleme aus eigener Erfahrung, haben auch Mirgrationshuntergrund, haben es dennoch geschafft und möchten nun andere unterstützen.
Lernen in kleinen Gruppen, jenseits des Rahmenplanes.
Schul-und Versagensängste müssen hier nicht versteckt werden.
Selbstverständlich gibt es eine Rückkopplung mit Eltern und Klassenlehrern.
Auch Berufsorientierung hat Platz im Projekt.
Viele Kids erlangen auch noch höhere Schulabschlüsse in der Folgezeit.
Positive Lernerfahrungen, das ist, was den Kids fehlte und die sie in diesem Projekt machen können.

Für die zukünftigen LehrerInnen ebenso: hier können sie Erfahrungen sammeln, praktisch umsetzen, was im Studium nur Theorie ist. Sie haben konkrete Erfolge mit ihren Coachees. Und werden selbst dabei fachkundig begleitet.

Was ursprünglich für Kinder mit Migrationshintergrund u.a. von Gloria Boateng , die als 10jährige aus Ghana nach Deutschland gekommen ist und heute als Lehrerin an einer Stadtteilschule arbeitet, gegründet wurde, nimmt sich heute allen Kindern an, die es brauchen.

Unser Engagement für mehr Bildung!
Wir tragen mit unserer Förderarbeit unseren Teil dazu bei, dass junge Menschen mit und ohne Migrationshintergrund bessere Erfolge auf ihrem individuellen Bildungsweg verbuchen können.
Wir sind eine Plattform für alle, die sich im Bildungsbereich engagieren möchten.
Wir unterstützen Schulen und Eltern bei ihren Erziehungs- und Bildungsaufgaben und handeln gemeinsam mit ihnen.
Wir beschränken uns nicht auf einen Förderbereich, sondern lassen unserer Kreativität freien Lauf und unterstützen dort, wo wir die Notwendigkeit sehen.
Wir bündeln unsere Kompetenzen, Kreativität, Erfahrungen und Qualifikationen und machen sie nutzbar.
Das tun wir für alle Kinder. Für unsere Zukunft. Für uns! Quelle

Klar, dass das nicht ohne Sponsoren geht. Und auch die Schulen, die ein Projekt “ andocken “ möchten, müssen ihr Budget anknabbern. Was immer mehr Schulen tun, da eigene Ressourcen für ein dauerhaftes Coaching leider nicht vorhanden sind.

SchlauFox e.V. hat noch andere beachtenswerte Projekte.
So werden z.B. Studierende mit Migrationshintergrund im Lehramtsstudium mit dem Projekt ProSmile unterstützt.

Zu Recht ist SchlauFox e. V. in diesem Jahr mit „JEA! „ startsocial-Bundessieger im Bereich Bildung geworden.

Yeaah !

Ich freue mich über Feedback. Um einen Kommentar zu schreiben, muss man nicht registriert sein.

Unbekannter Lehrplan…

…oder die Crux mit der Inklusion

in der ZEIT ONLINE ist kürzlich ein langer Artikel zum Thema Inklusion erschienen. Dorit Kowitz hat sich in “ Wie viel anders ist normal? „ die Mühe gemacht, einmal genauer hinzuschauen. Auf die unterschiedlichen Kinder mit ihren entsprechenden Bedürfnissen und Bedarfen. Auf die Lehrerschaft, die Finanzen und die Politik. Darauf, was viele erträumen und das, was Realität ist.

Allein das scheint schon Grund genug, diesen Artikel gut zu finden und zu teilen….in FB, in Elterninis usw. Nimmt sich ja auch positiv zwischen dem vielen dummen Geschreibe und oft auch Gehetze zum Thema aus.
Dennoch: es fehlt was, bleibt ein schaler Geschmack.
Nur ein Zustandsbericht, noch nicht einmal ein realistischer.

Ich weiß von Kindern, die jahrelang gar nicht mehr zur Schule gehen. Nicht möglich bei uns? Oh doch. Keine Schule nimmt sie. Das geht nicht? Aber sicher. Dazugehörige Eltern, meist Mütter, die nicht mehr arbeiten gehen, weil jemand zu Hause sein muss. Handelt es sich um Schwerstbehinderte? Weit gefehlt, oft sogar sehr talentiert, manchmal hochbegabt (mag ich gar nicht, diesen Testauswertungsbegriff), aber zu sensibel, um z.B. den Krach in einer Klasse aushalten zu können. Die Sinne so geschärft, dass es nicht geht und zu Abwehrreaktionen führt.
Alarmstufe rot – fast den ganzen Tag. Weil der Rahmen nicht stimmt. Oft Autismus genannt.

Die Eltern froh, wenn diese Kinder dann auf der Sehbehindertenschule genommen werden. Da ist andere Wahrnehmung nicht ungewöhnlich und die Schullaufbahn endet nicht zwangsläufig mit Förderabschluss.
Die Verzweiflung der Eltern ist ebenfalls nicht weit: ausgesondert ist nicht nur ihr Kind, sondern auch sie. Eine eigene Welt für die ganze Familie. Auch in der Sehbehindertengemeinschaft haben sie nur Gaststatus, wenn überhaupt.

Mir sind Kinder bekannt, denen sieht man gar nichts an. Deren Eltern jahrelang hinter einer Diagnose her rennen, um nur ein wenig Anspruch auf Rücksichtnahme für ihr Kind in der Schule zu bekommen. Mit viel Förderung, Verständnis und manchmal Medikamenten schaffen diese Kinder es, ihre Handicaps so gut zu kompensieren, dass sie keiner merkt, sie nur manchmal „komisch“ wirken. Das kostet ungeheure Kraft, die des Kindes und der Eltern. Auf Dauer nicht zu leisten. Depressionen und andere psychische Erkrankungen winken. Was prägt ist der Abdruck auf der Seele von Eltern und Kind, nicht gesehen und verstanden zu werden, nichts richtig zu machen. Sonderstempel für Erziehende: das Kind nicht zum Erfolg zu führen, versagen.

Körperbehinderte, die Schulen besuchen, in denen sie weit unter ihren intellektuellen Möglichkeiten gehalten werden. Mit der Perspektive, in einer Werkstatt zu arbeiten. Ausbruch wird mit endlosen Anfahrtswegen bestraft oder wenn man ganz hartnäckig ist, mit Gerichtsverfahren um den Platz in der gewünschten Schule, um das persönliche Budget, um persönliche Assistenz.

Schwer erkrankte Kinder, die im Krankenhaus gerade mal 2 Stunden Schule bekommen, über lange Zeit. Welchen Abschluss werden sie einmal machen, wenn sie nicht sterben, sondern mit einer chronischen Krankheit werden leben müssen?

Selbst gesunde Kinder aus fremden Ländern sind für unsere Schulen oft nicht normal genug, um einen guten Abschluss zu bekommen.

Das Risiko für alle diese Menschlein: nicht in der Familie aufwachsen können, wenn eine angemessene Schulbildung realisiert wird.

Fast alle finden „Beste Freunde“ toll.
Ein Film, der erfolgreich im Kino lief, in keinem guten Heimkino fehlt.
Das ist es, was wir wünschen.
Akzeptanz statt Mitleid.

Die Idee der Inklusion ist eine gemeinsame Lern-und Lebenswelt für alle.
Das braucht Geld, viel, viel Geld. Und unseren Enthusiasmus und beinharten Willen, es zu schaffen.
Ohne wird es nicht gehen, das Brett, das zu bohren ist, ist zu dick.

Mut für neue Wege.
Es ist nicht richtig, von Menschen mit besonderen Bedarfen, die oft von der Sparversion der pädagogischen Betreuung, der auch nicht behinderte Menschen ausgesetzt sind, erheblich mehr benötigen, zu verlangen, dass sie es nur mit einem bisschen mehr schaffen.
Schließlich leisten sie auch nicht nur ein bisschen mehr.
Neben dem regulären Schulstoff muss jedes Kind auch die eigene körperlich-geistige-emotionale Entwicklung meistern. Gute Schulen versuchen, dem gerecht zu werden. Unser Schulsystem insgesamt nicht.

Kinder mit Integrationsbedarf, sei er gesundheitlich oder sozial begründet, haben einen viel umfassenderen Lehrplan. Die meisten Lehrer erahnen das Ausmaß dessen nicht einmal. Was andere im Vorbeigehen mit lernen, wird oft mühsam geübt. Auch sogenannte „Kleinigkeiten“.

….you’re goin‘ blind, you ain’t stupid!

Ein Lehrer, der sagt: „das muss in diesem Alter jetzt aber mal klappen“ gehört in eine Schulung, mindestens.
Diese Kids besuchen Therapien, müssen im Alltag klar kommen, Hilfsmittel – technische, soziale oder sogar eigene innere – benutzen lernen, um unsere Kulturtechniken beherrschen zu können.
Oft müssen sie erst einmal heraus finden, was sie in welcher Weise überhaupt brauchen und wie es ihnen helfen kann. Mit dem Lesen von Testberichten, ärztlichen, pädagogischen und freundschaftlichen Ratschlägen ist es nicht getan. Die Maßnahme, die für den einen gut ist, muss dem anderen nicht helfen. Ausprobieren, viele Male, viele Dinge.
Muss ich noch sagen, was das für die Eltern bedeutet?

Bedenkt doch endlich mal: auch dieses Lernen braucht Zeit!

Zeit, die keine aktuelle Schulform diesen Kindern bietet. In der Regelschule 9, 10, 12 oder 13 Schuljahre.
Die Förderschulen sind da flexibler, aber dafür gibt es meist keine höheren Abschlüsse. Wer da mit dem Hauptschulabschluss raus kommt, auch wenn es nach der 12. Klasse ist, ist ein Champion. Eine Alternative? Wohl kaum.

Inklusion heute leben heißt:
so tun, als würde es diesen erweiterten persönlichen Lehrplan nicht geben und in gleicher Zeit ein Vielfaches als die Klassenkameraden leisten, allerdings ohne den netten Zusatz im Zeugnis:

XY hat immer alle Zusatzaufgaben zuverlässig erledigt.

Und, wenn die Behinderung offensichtlich ist: nicht in der Masse abtauchen können, wie man das als Schüler gerne tut und zuweilen braucht. Präsentierteller.

Wer macht sich eigentlich darüber Gedanken?
Und darf man auch mal denken, dass es vielen „normalen“ Kindern auch gut täte, mehr Zeit zum Sich-Entwickeln zu bekommen? Ich sage da nur Pubertät, aber es gibt noch vieles mehr.
Es ist müßig, über individuelles Lernen, Integration und Inklusion zu reden, wenn nicht endlich einmal über die dafür vorhandene bzw. benötigte Zeit gesprochen wird. Wer sagt, jedes Kind hat sein eigenes Lerntempo aber am Tag X muss es dies und das und jenes definitiv können sonst – „Tschüs “ – der ist bei bei diesem Thema nicht ernst zu nehmen. Was, außer Geld , spricht gegen einen Hauptschulabschluss nach der 12. Klasse, ein Abitur nach der 15. – wenn es denn die individuelle Entwicklung erfordert?
Oder: muss es immer der heute standardisierte formale Schulabschluss sein, der den Zugang zu qualifizierten Berufen ermöglicht? Unbeschadet der persönlichen Eignung?
Empathielose Ärzte, talentfreie Journalisten, weltfremde Richter…das alles darf sein. Aber ein Diplom ohne stundenlanges Zeit-Absitzen in der Uni und niemanden interessierende Abschlussarbeit? Ein begnadeter Instrumentenbauer ohne Hauptschulabschluss? Dolmetscher ohne Matheprüfung? Darf man überhaupt etwas sein, wenn man in Prüfungen blockiert ist?
Wofür oder besser: wonach wird man später bezahlt….für das bloße geduldige Ausharren in unseren Bildungsinstitutionen mit Finale?
O.k. , so ein paar kleine Sonderwege à la “ Studium ohne Abitur “ haben wir ja. Nichts Weltbewegendes…..darauf kann man sich nicht ausruhen.

Unsere Gesellschaft denkt in die andere Richtung: mit 5 rein in die Schule, nach möglichst wenig Schuljahren wieder raus, schnelle kurze Ausbildungen und dann rein ins Arbeitsleben (haha). Arbeiten bis ins hohe Alter (haha) oder Frühverrentung mit Mitte 30 ( zu oft: jaja).
Für alles braucht man einen Zentral-Abschluss, Zentral-Abi, Zentral – Certifikat, Zentral- pi-pa-po.
Wegen der Vergleichbarkeit….Pech für die Unvergleichlichen.
Dafür ist Geld da.

Und weil ich ja immer so gerne vom Hölzchen auf’s Stöckchen komme:
in meiner Schulzeit war weder von Integration noch Inklusion die Rede. Trotzdem hatten wir eine Mitschülerin in der Oberstufe, die wegen ihrer Spastik auf den Rollstuhl angewiesen war. Sie musste sich böse Sprüche von manchen Lehrern anhören, so im Bio-Leistungskurs. Genetik: Frauen sind noch dümmer als Nigger als Behinderte . Da gab es aber Stimmung, meine Güte!

Wir Schüler hatten keinerlei Probleme mit ihr, außer die üblichen, die man so untereinander hat als junger Mensch. Die Sache mit dem Rollstuhl haben wir locker gehändelt. Fast alles konnte sie selbst und wenn nicht, haben wir geholfen. Berührungsängste gab es nicht. In unserer Familie wurde ein alter Mensch gepflegt, da kannte man so Einiges. In anderen Familien gab es das auch. Ob die heutige Abwesenheit von Gebrechlichkeit in den Familien eine Rolle in der aufgeregten Diskussion um das Miteinander spielt, besonders bei besorgten Eltern der angeblich sich in allen Bereichen schnell entwickelnden Kinder? Angst essen Seele auf?

Absolut cool war: unsere Mitschülerin war älter als wir und wohnte schon alleine. Herrliche Freistunden!
Allein im Badezimmer konnte man zu acht sitzen und gemütlich chillen und so, um den nächsten Kurs zu überleben 😉

Ich freue mich über Feedback. Um einen Kommentar zu schreiben, muss man nicht registriertsein.

Inklusions-washing

Der Senat und die Schulbehörde (BSB) machen in Hamburg viel Werbung mit ihrem Inklusionskonzept.

In den Schulen geht es jedoch diesbezüglich drunter und drüber.

Anstatt genügend zusätzliche Ressourcen bereit zu stellen, fallen die neuen Inklusionsklassen ausstattungsmäßig deutlich hinter die Integrationsklassen zurück.

Integrative Regelklassen werden abgeschafft.

Das Gymnasium bleibt weitgehend inklusionsfreie Zone.

Die Stadtteilschule , hervorgegangen aus Gesamtschulen und Haupt-und Realschulen, verkommt zur Restschule.

Auf den verbleibenden Förderschulen findet man in erster Linie arme Kinder .

Sonderpädagogen arbeiten nicht mehr im Team mit den allgemeinen Lehrern, sondern betreuen die Kinder stundenweise. Die Mittelzuweisung erfolgt nicht nach Bedarf der Kinder ( Anzahl und Art der erforderlichen Förderung ), sondern aufgrund einer pauschalen Berechnung.

So die Pläne des Senats .

Mit Lehrern und Lehrerinnen habe ich schon so manche Auseinandersetzung gehabt, manche tun sich sehr schwer, mit entwicklungsbeeinträchtigten Kindern um zu gehen.

Aber es gibt sehr viele, die für die Inklusion stehen. Jedoch nicht als Sparkonzept und vor allem nicht auf Rücken der Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf im Lernen und sozial-und emotionalen Bereich, nach zu lesen in der Hamburger Lehrerzeitung der GEW:

Zur Anhörung der Drucksache 20/3641 im großen Saal der Handelskammer am 24.4., in der es um die Umsetzung der Inklusion an Hamburger Schulen ging und bei der bezeichnender Weise der Schulausschuss beratend, der Haushaltsausschuss aber federführend ist, kamen nahezu alle VertreterInnen von Eltern- und LehrerInnenverbänden, viele einzeln Engagierte und viele, viele an Schulen Tätige. Wir zitieren Auszüge aus dem Wortprotokoll einiger der Redner und Rednerinnen.

mehr

Inklusion kostet und gelingt nur, wenn sie wirklich gewollt ist.
Letzteres ist hier mehr als zweifelhaft.

Ich freue mich über Feedback. Um einen Kommentar zu schreiben, muss man nicht angemeldet sein.