Purer Luxus

Mühselig.

Damit ist eigentlich schon alles gesagt, vor allem auch, warum es im Moment so wenige Beiträge von mir hier gibt.

Schwellenmonate,so könnte man es auch nennen. Eine Veränderung jagt die nächste und sind mit Anstrengung  und Vorfreude verbunden, was widerum Anstrengung bedeutet.

Im Land der Bürokratie gibt es viel zu regeln, auszufüllen, zu begutachten, telefonieren, vorzustellen- das kostest alles Zeit. Kleine Siege gegen große Ämter  haben dazu geführt, dass die Aktenlage uns Unterstützung beschert, aber selbstverständlich nur auf Antrag.

Stärken in Großaufnahme

Mein Ableger hat sich nach 3 Jahren wieder einmal ein ganz privates  Zeugnis, eher eine Urkunde für Lebensbewältigung,  gewünscht. Das gab es früher immer zu den Schuljahreszeugnissen dazu. Der Gedanke dahinter wird hier erklärt.
Bei drei Jahren kommt da Einiges zusammen. Ich kann nur wieder einmal feststellen: diese investierte Zeit lohnt sich auch für uns Eltern, die wir mit den besonderen Herausforderungen in der Begleitung unserer Kids klarkommen müssen. Während man da so sitzt und siniert, was alles war, was alles geschafft wurde, kommt man nicht umhin, auch die Schattenseiten, die schließlich Anlass zu diesen besonderen Anstrengungen waren, noch einmal vor Augen zu haben. Auch den damit verbundenen Schmerz.
Und dann muss man es sich verkneifen, nach dem Lob noch die Dinge zu nennen, an denen noch gearbeitet werden muss/soll. Das machen ja Lehrer immer gerne…nein, bei dieser  Urkunde geht es nur um das, was geschafft wurde.
Das Fazit: es gibt fast keinen Lebensbereich, der von der Neurodiversität nicht berührt wird- oft aber auch positiv.
Am Ende bleiben Stolz und die Hoffnung, dass auch weiterhin schwierige Lebensituationen gut bewältigt werden. (Die Sorge, die sich penetrant auch dazu mogelt, wird einfach mal beiseite geschoben…).
Diese aufgeschrieben Erfolgsbilanzen sind immer wieder eine Stütze für meinen Teenie , wenn es mal nicht so rund läuft. Und nun, am Vortag eines neuen Lebensabschnittes, soll sie  helfen, Anlauf zu nehmen.

Aus Kindern werden Erwachsene, aus Eltern Alte

Noch eine Schwelle. Die Einen auf dem Sprung, die Anderen im Landeanflug.
Hört sich dramatisch an, aber warum eigentlich?
Liegt es  vielleicht daran, dass ich mindestens noch so viele Pläne in meinem Kopf habe, wie Teenie, aber weder Zeit noch Kraft für die Umsetzung ? Da muss sich so ein Gehirn, das immer 1000 Ideen , Projekte usw. gleichzeitig ausbrütet, erst mal mit abfinden. Das tut es natürlich nicht und deshalb hilft der Körper  beim Begreifen etwas nach.
Aber noch werde ich die Kategorie „Beste Jahre“ nicht in „Letzte Jahre “ umbenennen…
Ich setze doch sehr auf die ADHS-typische Entwicklungsverzögerung .

Mutter allein zu Haus

Und dann ist da so ein Wochenende. Die Wohnung ganz für mich allein, was äußerst selten vorkommt. Erst der Anspruch, diese Zeit sinnvoll zu nutzen, mal was für mich zu machen. Dann die Erkenntnis: ich muss gar nichts.
Strassenmusik

Bummeln, Straßenmusik: der jungen Mann ist ungefähr so alt wie mein Teenie, stand schon mit ca. 10 Jahren am Wochenende mit seinem Dad da und hat Geige gespielt. Nun ist auch er erwachsen und spielt richtig gut. Ich setze mich und höre zu. Es gefällt mir, dass auch diese beiden einen gemeinsamen Weg zu gehen scheinen. Wenn auch klar erkennbar ist: der Sohn gibt mittlerweile den Ton an, Papa begleitet.

 

 

Wieder zu Hause. Nutzloses sich treiben lassen.
Keiner will was von mir. Ich rede nur mit Menschen, die ich anrufe. Lesen. Ein Nickerchen. Einem mittlerweile renomierten Schauspieler in einem seiner ersten Filme anschauen, der Film hohl, er jung und hübsch.
Nachdenken. Ein bisschen traurig sein, noch ein Nickerchen, lesen,  im Netz daddeln und dann die Küche aufräumen.
Passt.

 

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Mantra

Mir ist egal, welchen Beruf mein Kind wählt, Hauptsache, es wird damit glücklich.

Das haben doch die meisten Eltern schon mal von sich geben, oder?

Noch im Halbschlaf sage ich mir immer wieder diesen einen Satz, von dem auch ich überzeugt bin, in Gedanken vor.
Denn heute nehme ein weiteres Stück Abschied vom Wunschtraum, dieser glücklich machende Beruf  werde gleichzeitig einer sein, der gesellschaftlich hoch anerkannt ist und gut bezahlt wird.
Ich nehme auch Abschied von meinem jahrelang verfolgten Ziel, mein Kind möge soviel Normalität wie möglich und lediglich so wenig Spezialität wie nötig erleben.
Das schmerzt und ich werde das Gefühl der Unzulänglichkeit nicht los.
Wir fahren in eine kleine Stadt nicht weit von unserer Großen, um
ein Berufsbildungswerk zu besichtigen. Überbetriebliche Ausbildungen für Menschen mit Behinderungen werden dort angeboten. (1)
Ich habe Vorbehalte.
Ist es das Richtige?
Wird mein fast erwachsener Teenie dort genug Anregungen für ein ‚ normales ‚ und eigenständiges Leben bekommen?
Meine eigenen Gedanken befremden mich. Die anderen jungen Erwachsenen dort können doch ebenso wunderbare und vielseitige Menschen sein wie sie!
Und mal ehrlich: wie viele Anregungen habe ich bereits nur allein von Teenie gerade wegen ihrer Besonderheit bekommen?

Das Gegenteil von Inklusion

Es fällt mir schwer JA zu dieser Sonderwelt zu sagen. In meiner Vorstellung ist es möglich und wünschenswert, mit Menschen mit Beeinträchtigungen in unserer Mitte zu leben und zu arbeiten. Letzteres gesondert zu erwähnen ist wohl notwendig in unserer verdrehten Welt, die in Hierarchien wie Dritte Welt, zweiter Arbeitsmarkt, Geberländer, Leistungsträger u.v.m. denkt. 

An diesem Tag heute muss ich akzeptieren, dass die Realität für mein Kind nur eine  Berufsausbildung ‚ auf dem Mars ‚ vorsieht.
Das ist bitter. 

Das Glück der Erde…

Ich sehe, wie Teenie neugierig und zielstrebig den ersten Kontakt vor Ort aufnimmt. Bin erstaunt über ihre klaren Vorstellung, erfreut über ihre Unvoreingenommenheit. Hier kann sie sogar ihren Traumberuf erlernen.
Sie sieht zugleich die Chance den nächsten, ihr angemessenen Schritt zu machen. 
Den Heimatort verlassen. 
In Gemeinschaft mit jungen Leuten leben. 
Ihr Blick zu mir : ich hab‘ dir doch schon immer gesagt, ich will was mit Pferden machen.
Ich krieg das alles hin, mach dir keine Sorgen.

Diese Treppe hatte ich schon oft vor der Linse. Meine liebe Leserin Anita schrieb dazu sinngemäß: “ wer weiß, wo diese Stufen unsere Kinder hinführen“ . Ich mag diese Treppe.  Blickt man hinauf, sieht man in den Himmel. Der Blick hinab weist auf das weite Meer…

Am nächsten Morgen steht ihre Entscheidung noch immer.
Ich aber denke daran, was es heißt, einen Beruf im
Niedriglohnsektor zu ergreifen.
Weise Teenie auf die nicht berauschenden Verdienstmöglichkeiten in dieser Branche hin. ( 2 )

Hey Mum, ich schreibe doch erst das Vorwort des Buches meines Lebens, bleib mal cool.

Ach, auch eine Löwenmutter hat zu weil ein Hasenherz.

Aber während ich das alles so denke und schreibe, wetze ich bereits meine Krallen für das kommende Match mit der Bundesagentur für Arbeit…..

(1) wer jetzt denkt, Teenie hätte einen offiziellen Behinderten-Status, irrt.
Die BA hat jetzt lediglich gemerkt, dass es Grenzen dabei gibt, Menschen mit einer ‚Sonderformatierung‘ die gängige ‚Standardsoftware‘ aufzuzwingen.
(2) für mich behalte ich, welche Auswirkungen das auf mich hat: arbeiten, bis es nicht mehr geht..

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Daddeltach…

Wofür man alles so Zeit hat, wenn zwischen den Jahren/am Jahresanfang die Uhr langsamer tickt…
Ein spätes Frühstück und sich endlich einmal dabei all die Artikel, Blogs und anderes Ungelesenes zu Gemüte führen.

Es sind jetzt 1,5 Jahre her, dass Teenie die Schule verlassen hat. In dieser Vorweihnachtszeit habe ich das so richtig gemerkt. Es stehen zwar wichtige Entscheidungen an, aber diese haben haben Hand und Fuß, sind keine vermeintlich zukünftigen Katastrophenszenarien, wenn denn nicht mindestens 1-2 Adventswochendenen dem heiligen Altar Schule geopfert werden…..
Kein schlechtes Rabenelterngewissen mehr, weil wir uns verweigern.
Kein Jahresendstress.
Wir sind diesem von Dieter Schnaas in Tauchsieder – Bestnoten für Bildungswahnsinn in der Wirtschaftswoche beschriebenem Irrsinn entkommen.

Besinnliche Adventszeit? Von wegen. Bald stehen die Halbjahreszeugnisse ins Haus. Und an deutschen Küchentischen herrscht die nackte Notenpanik. Eine Abrechnung. mehr

Besonders gefällt mir auch die Aussicht auf die Abschaffung der Zettelwirtschaft in deutschen Klassenzimmern. Ich werde vermutlich Jahre brauchen, um dieses Trauma des ‚ Lehrperson nicht erreichbar, keine Jahresplanung , kaum Transparenz bei dem was in der Klasse abgeht bei gleichzeitiger Erwartung der Schule, dass Eltern gefälligst super Dienstleister für diesen Verein sind ‚ loszuwerden.

Eigentlich sollte man meinen, dass die digitale Kommunikation gut 20 Jahre nach der Kommerzialisierung des globalen Datennetzes längst Standard ist an Deutschlands rund 35.000 öffentlichen Schulen. Doch weit gefehlt. Noch immer sind Mitteilungen auf Papier vielerorts der meistgenutzte Informationsweg, werden Nachrichten wie im 19. Jahrhundert übermittelt.

….so Dieter Dürand in der Wirtschaftswoche über elektronische Klassenbücher.
Mehr dazu hier

Ich selbst habe leider nichts mehr davon. Aber zum einen bin ich etwas gehässig ( das, was in anderen Berufen längst Alltag ist, müssen nun auch die Lehrer lernen ) und zum anderen erfreue ich mich an vernünftigen Entwicklungen.

In der Zeit Online findet man ja alles: Artikel, die besagen, dass die heutigen Kinder es nicht gut haben, andere, die vom Gegenteil reden. Über Eltern, die zu viel erziehen und solche, die sich zu wenig engagieren.
Dort werden Erziehungsratgeber und dessen Vielzahl kritisiert und immer wieder Artikel, die genau diese anpreisen – oder deren Autoren als Experten.

Da kann sich wirklich jeder aussuchen, was er gerne hören möchte.

Gut gefallen hat mir der Artikel Wir sind keine Sorgenkinder von Martin Spiewak , in dem endlich einmal nicht nur über die völlig danebenen Kids und die dafür verantwortlichen Eltern gewettert wird. Und mein ‚ bestgehasster‘ Bestseller-Psycho-Autor bekommt auch sein Fett ab :

Alle großen Zeitungen und Magazine haben über ihn geschrieben oder ihn interviewt. Er ist der Thilo Sarrazin der Erziehung. Doch anders als Sarrazin trifft Winterhoff kaum auf Widerspruch. hier

Dagegen schreibt über die ‚ Ichlinge ‚ die es ja leider auch zu Hauf gibt, Heidi Keller in Me, Myself And I ebenso gut zutreffend, dass allein der persönliche Erfolg im Leben mehr und mehr Maßstab der jüngeren (deutschen) Mittelstands-Generation wird.

Offenbar verführt Wohlstand zu Egoismus. So sind Kinder aus bildungsfernen Familien – ob mit oder ohne Migrationshintergund – häufig sozial verbindlicher, respektvoller, höflicher. Denn wer von Hause aus weniger Ressourcen hat, muss kooperieren, damit das Familienleben funktionieren kann. Das Selbstwertgefühl speist sich aus dem Miteinander und der Verantwortung füreinander. Ein Bildungssystem aber, das auf individuelle Autonomie ausgerichtet ist, schließt Kinder aus sozial schwächeren Milieus aus, da es ihre Werte und Bedürfnisse ignoriert.
Quelle

Jau…es gibt wohl das Eine wie das Andere.

Familientherapeut Jasper Juul kann sich so oder so freuen :
Ich kämpfe täglich mit deutschen Müttern bringt ihm sicheres Geld und wenn er hier sagt, …

…. Seid nicht so perfektionistisch. Bis man wirklich gut ist im Erziehen, muss man mindestens vier Kinder haben. Aber glücklicherweise brauchen und wollen Kinder keine fix und fertigen Eltern. Kinder haben viel Verständnis für Fehler – sie machen ja selbst den ganzen Tag welche und lernen daraus. Eltern fragen mich ständig: Ist es erlaubt, Kindern gegenüber laut zu werden? Natürlich ist es das, man darf heulen, schreien, alles Mögliche. Kinder brauchen lebende Eltern. Sie brauchen keine Schaufensterpuppen.

… hat er sicherlich nicht ganz Unrecht.

Inklusion ist kein Thema

Bei all den Artikeln, die ich heute über Erziehung, Bildung, Entwicklungspsychologie oder Generation sonstwie gelesen habe, spielte Inklusion keine Rolle. Zugegeben, nicht alle Artikel waren neueren Datums, aber soooooo alt waren sie nun auch wieder nicht.

Vielen Menschen hier gefällt das nicht. Sie haben sich deshalb zu einem Bündnis zusammengeschlossen.
Zur Nachahmung empfohlen….Hamburger Bündnis für schulische Inklusion.

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Schon gewusst?

Zum Valentinstag hab ich nichts bekommen.
Ich bekomme nie etwas.
Nein, stop : 2 Ausnahme gab es.
Einen Blumenstrauss, den ich von meinem Partner unwirsch- verlegen annahm und Jahre später ein Foto, das mein Kind mir anschleppte.
Das stellte ich erstaunt- erfreut ins Regal, von wo es mich noch heute anlacht.
Ich brauch das auch nicht so.
Ist eh‘ nur Kommerz .
Aber was schon nett wäre: ab und an einmal Hilfe und Unterstützung …

Am Tag, an dem die Herzen sprechen, habe ich einen blogpost von scary mommy gefunden, der mir aus dem Herzen und der Seele spricht.

what not to say to a parent of an autistic child

As the prevalence of autism increases, many are finding themselves in conversations with parents of children with autism and not knowing what to say. People are good. They want to say the right thing. They want to encourage. They want to offer hope. My son was diagnosed with autism seven years ago and it has taught me how wonderful people truly can be. In their efforts, though, sometimes the things they say have the opposite effect of their intentions… mehr

Leider nur auf englisch…..ist aber nicht allzu schwer, nur Mut!

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L-W-o-mat

Kurz-pro-gramm-40 °.
Un-sor-tiert.
Mehr-gibt-es-heu-te-nicht.
Es-gibt-auch-kein-Lieb-lings-ess-en.
Ja-ich-kümm-e-re-mich-um-das-Not-wen-dig-ste.
Nein-mehr-geht-nicht.

Wenn-du-zor-nig-bist-dreh-die-Mu-sik-auf.
Bei-Angst-komm-zu-mir-a-ber-ru-hig.
Sprich-mit-mir-wenn-du-trau-rig-bist.
Bei all-en-an-de-ren-Be-find-lich-kei-ten-sieh-zu-wie-du-klar-kommst.
Zan-ke-heu-te-nicht.
Bi-tte.

Ak-ku-leer – – – Ak-ku-le- – – – Ak-ku-l- – – – – –

Man muss kein hochsensibles Kind haben, um zu wissen, wie wichtig es für Kinder / Jugendliche ist, dass wir Eltern in Krisenzeiten verlässlich funktionieren.
Denen aber, die über eine besonders geschärfte Wahrnehmung verfügen, kann man noch weniger als anderen vorgaukeln, dass der Fels in der Brandung unerschütterlich steht, wenn er dabei ist, von den Wassermassen davon gerissen zu werden.
Da hilft kein sich Zusammennehmen.

(Hoch)Sensible Kinder reagieren häufig extrem mit Wut, Zorn, ziehen sich zurück.
Physisch und psychisch.
Nicht selten führen diese Stresssituationen zu psychsomatischen Erkrankungen.
Jugendliche, welche aufgrund ihrer Besonderheit einsam sind, und das sind insbesondere die aus dem autistischen Spektrum, haben keine Möglichkeit, ihre Angst und Verunsicherung mit anderen gemeinsam zu verarbeiten.
Kein gemeinsames Lümmeln auf dem Sofa und Gerede wie:
Oh Mann, wenn ich 18 bin ziehe ich aus, das nervt alles, stell dir vor, du würdest auf dem Mars leben, ich skype lieber von da aus, meinst du, man wird wiedergeboren, ist doch voll unlogisch, dieses Spektakel, und dann allen Menschen die Hände schütteln, sogar Fremden, lass‘ mal das Stück von xxx hören, aber laut!

Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.(1)

Diese Jugendlichen ängstigen sich auch um den Bestand der täglichen Routinen.
In dieser Gefühlslage sind sie kaum in der Lage, Rücksicht auf den Garanten des sicheren Alltags zu nehmen.

Ich bin sicher, im Kleinen kennen alle Eltern das.
Ist die Mutter krank, quaken die Kids umso mehr.

Hat jemand eine Vorstellung davon, wie das im Großen ist?
Diese Tage höre ich immer wieder den gut gemeinten Rat: pass auch auf dich selbst auf.
Ja, sag ich dann, wie soll das konkret aussehen?
Nicht eine brauchbare Antwort habe ich auf diese Frage bekommen.

Ich bin kein Typ für Ruhe.
Bewegung ist mein Wasser, in dem ich mich wohl fühle wie ein Fisch.
Denken beim Gehen . Beim Reden. Schreiben.
Schon in guten Zeiten schaffe ich es nicht, ein Hörbuch durchzuhalten.
Wenn ich mich konzentrieren will, gehe ich ins Café.
Arbeiten in der Stille: nur wenn ich direkt aus dem Schlaf komme, dann aber richtig produktiv. Die einzige Tätigkeit, die zwischengeschaltet werden darf ist Kaffee kochen. Schon duschen zerstört die Konzentration auf das Arbeitsergebnis der Nacht.
Ich brauch‘ so etwas wie eine Fotolinse, um langsam ( achtsam ? ) durch die Welt zu gehen.
Teenie bevorzugt das Gegenteil.
Das macht es nicht einfacher.

Antworten, die ich für mich geben kann:
1. kleine Ich-Inseln im Chaos ( z.B. Cello, Chor , Uni, schreiben )
2. Teenie gut versorgt wissen
3. die kleinen entspannten Momente mit Teenie genießen
4. um Hilfe in kleinen Dingen bitten und annehmen, was mir schwer fällt
5. nichtexistenzielle Pflichten aussitzen

Nach dem großen Wurf suche ich seit Jahren.
Warum soll er gerade jetzt gelingen?

Unser Sozialwesen sieht niedrig-schwellige, schnelle Unterstützung für Familien in Krisen nicht vor.
Keine Familie oder Freunde vor Ort?
Pech gehabt.
Wer ein Kind hat, das wegen seiner Eigenheiten nicht mal eben weg organisiert werden kann, erst Recht.
Da bleibt nur: funktionieren, irgendwie.
Wir sind eben kein notleidendes Bankhaus. Da hätte unser Staat sicherlich fix ein Hilfspaket zusammengeschnürt.

Unser Haus schwankt, aber das Fundament ist fest.

Aber sogar jetzt gibt es einen Grund zum Staunen und zur Zuversicht.
Wieder einmal erlebe ich, wie treffend, klar und weitsichtig Teenie die Situation erfasst, ihre Bedürfnisse messerscharf artikuliert und gute Entscheidungen für die kommenden Tage trifft.

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Hochsensible,  Synästhetiker_innen,  ADHSler_innen und Autist_innen haben in erster Linie ein ‚Mehr‘, nicht ein ‚Weniger‘.

Wenn man sie lässt und ihnen hilft, finden sie ihren Weg.
DAS ist die große Lösung.
Nicht nur für mich.
Fast alle Eltern werden das ( in Ansätzen) verstehen.

(1) John Lennon

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Voice of family

Eltern haben oft Angst, den Kontakt zu ihren pubertierenden Kids zu verlieren, sie nicht mehr zu erreichen, keinen Einfluss zu haben, wenn sie Mist bauen.
Das muss wohl so sein.
Gespräche werden seltener, man ist nicht mehr so richtungsweisend.
Häufig dienen wir als Testperson für die Schlüssigkeit der gerade neu gewonnenen Erkenntnisse und Überzeugungen, „Gott und Lotte“ betreffend.
Zurückweisungen sind an der Tagesordnung.
Elterliche Genervtheit ebenso.

Und dann gibt es diese Momente

Die das alles wieder wett machen.
Muttern klimpert alte Songs auf der Gitarre und grölt auch noch dazu.
youtube macht’s möglich : fast für jedes Lieblingslied gibt es ein ‚ how to play ‚ und man muss einfach nur nachmachen bzw. mitmachen, nicht mühsam die richtige Tonart oder Zupf-und Schlagtechnik herausfinden….und die Lyrics kann man eh‘ oder findet sie ebenfalls im Netz.
Teenie, ein Zimmer weiter trainiert Stimme und Körper vorm Spiegel zu den Klängen der Lieblingsband.

So geht das eine Weile….bis wir uns zu fortgeschrittener Stunde in der Küche treffen und gegenseitig die Ergebnisse unseres musikalischen Tuns präsentieren. Ohne Kritik, sich einfach nur anhören, dann einsteigen.
Teenie trällert Elten John und Muttern versucht sich in Within Temptation, einer Gothic Band.
Das ganze dann zweistimmig, Teenie liegt ’ne Runde tiefer als ich.
So geht es eine Weile.
Der neue Tag ist schon längst angebrochen, als wir bei Stand by me angelangt sind, ein Song, den wir beide sehr mögen.

Es fällt schwer, aufzuhören.

Teenie macht wohl noch ein wenig weiter – an diesem Abend, der schon ein Morgen ist. Seltsamerweise erübrigen sich Ermahnungen wie ‚ nimm bitte Rücksicht auf die Nachbarn ‚.
Es klappt von allein….

Muttern verdrückt sich und denkt: ohne Reden geht es auch und solange solche sessions möglich sind, ist alles im grünen Bereich.

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Second Hand

Lange Zeit teilten mein heimischer Teenie und ich ein Schicksal: wo auch immer wir hinkamen, wir waren meist die kleinsten in unserer jeweiligen Gruppe.
Das kann wirklich manchmal nerven.
Der Zwerg unter Riesen zu sein bedeutet oft: für jünger gehalten und nicht für voll genommen werden, beim Tanzen Ellenbogen an dem Kopf gestoßen und Rucksäcke fremder Menschen im engen Bus ins Gesicht gedrückt bekommen , von Lehrern deines Kindes geduzt werden, wenn sie sich bei Schulveranstaltungen an dir vorbei drängeln, bis weit in die 20er Nachts auf der Piste den Perso parat haben und im Supermarkt fremde Menschen ansprechen müssen, um etwas aus der höchsten Reihe gereicht zu bekommen.

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Selten von Vorteil: überall dort, wo es nur wenig Beinfreiheit gibt, wo man ermäßigte Preise haben möchte obwohl sie einem nicht mehr zustehen, manchmal Kinderklamotten zu Kinderpreisen finden – ohne Panzerknacker drauf, versteht sich.

Mein Teenie hat es hinter sich.
Sie hat ihn lange herbei gesehnt, den Wachstumsschub.
Rasant ging das. Sie hatte kaum Gelegenheit, sich in meinem Kleiderschrank zu bedienen.
Menno, so viel Geld für immer wieder neue Klamotten kann eine Normalo wie ich gar nicht verdienen….

Das Nervigste jedoch ist, dass ich langsam aber sicher eine Aversion gegen Kätzchen, Snoopy und bunte Buchstaben auf buntem Hintergrund entwickele.
Ich meine, ich kann doch diese Batterie von fast ungetragenen Socken und & Co nicht weg schmeißen…

Kommt mir nicht mit Flohmarkt!
Die Diskussion, wem das Geld für die Snoopy-Un-Socken zusteht und wer dann den ganzen Tag hinter dem Tisch hockt, spare ich mir.
Der Gefahr, mit mindestens genauso vielen ollen Sachen anderer Leute nach Hause zu kommen, wie ich selbst los geworden bin, setze ich mich auch nicht mehr aus.

Altkleidersammlung?
Oh oh….die Auswirkungen auf die Textilproduzenten auf der sonnigen, aber weniger wohlhabenderen Seite der Welt….hier und hier
Gar nicht so einfach.
Einiges schicken wir direkt zur Familie in der Ferne.
Aber kostenlos ist das auch nicht….und manche Ladung kommt nicht an.

Zu guter Letzt: verkehrte Welt ist es außerdem.
Kinder sollten nicht auf ihre Eltern herabsehen können.

Nach oben schimpfen – wie blöd ist das denn?

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Ausquartiert

Heute morgen wusste ich noch genau, wie mein Tag werden soll.

Ohne Hetze zur Arbeit, pünktlich Feierabend, einkaufen, kleiner Mittagsimbiss mit Teenie , einen ruhigen Nachmittag mit ihrem Vater , gemeinsam essen und dann “ tschüs“ – schöner langer „Schönes- Herbstwetter- Spaziergang“ mit Freundin oder alleine , je nach Laune, und dann vielleicht noch Kino oder so.

An Punkt 2 bin ich schon gescheitert.
Die Rechner waren heute unendlich langsam. Gestern hatten „die“ am Server rum gebastelt…toll.
Einige eilige Sachen auf dem Tisch, die noch raus mussten.
Stōrfälle kommen immer Freitags.
Nicht vergessen: Urlaubsantrag stellen.
Dazu eine Portion Unkonzentriertheit.

Mit Verspätung dann Punkt 3 in Angriff genommen.
Kurzfristige Umentscheidung vom “ kleinen Einkauf“ zur Wochenendplackerei – mit Rad aber ohne Rucksack und Taschen.

Imbiss klappte. War ja auch Abteilung : was vom Vortag übrig blieb.

Teenie weg, Vaddern da.

Wir sind eine Familie, bei der die Eltern nicht zusammen leben und kein ein Paar, aber Freunde sind.
Also mal ein bisschen in Ruhe geplauscht.

Vater und Tochter hatten auch schon Pläne.
Auf dem ausgeklappten Schlafsofa im Wohnzimmer essen und dabei Glotze schauen.
Ohne mütterliche Kommentare der Marke “ wie könnt ihr nur sowas lustig finden “ oder “ ihr könntet euch auch mal unterhalten“.
Vaddern kann bequem früh dabei einschlafen und ist zur Frühschicht morgen pünktlich.
Teenie nutzt die Gelegenheit.

Und nun sitze ich hier in der Küche und lausche der Geschirrspülmaschine.
Wind, Regen, Kälte.
Keine Sau geht heute noch raus.
Ich auch nicht.

Ist soooo schlecht aber auch nicht.
Da ich nicht “ dran “ bin, habe ich heute Abend hier nichts zu sagen und werde dafür von niemandem in Anspruch genommen.
Ein “ Hoch“ auf die elterliche Arbeitsteilung!

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Dogma multimodale Therapie

Ich wage mich an die heilige Kuh „multimodale Therapie“.
Was auch immer man zu ADHS liest, immer geht es darum zu beteuern, dass Medikamente allein nichts bringen und auch gar nicht ohne weitere Therapie verordnet werden sollten.

Hört sich erst mal gut an.

Sieht man mal von der absolut miesen Versorgungslage ab, so bringt mich ein genauer Blick auf das, was an Therapie angeboten wird, zum (ver)-Zweifeln an dieser Doktrin.

1. Psychotherapie
Lange Wartezeiten und dann Therapeuten, die sich nicht wirklich auskennen.
Verhaltenstraining. Hmm…

2. Elterntraining
Falls das überhaupt angeboten wird, so richtet es sich meistens an “ ADHS -Anfänger“ und muss selbst bezahlt werden.
In einem guten Elterntraining nimmt Kommunikation viel Raum ein.
Inhaltlich lernen Eltern, wie wichtig Struktur im Alltag ist und sollen diese dann mit Hilfe diverser Pläne und Belohnungssysteme umsetzen.
Klare Regeln, klare Ansagen, prompte Umsetzung.
Keine Ausnahmen. Hmm….

Warum beschleicht mich bei diesen Gedanken so ein mulmiges Gefühl?
Weil ich selbst eine Chaotin bin?

3. Ergotherapie und Co ……na ja, ganz nett aber nicht der “ Bringer“.

Und dann gibt es sicherlich noch so einiges mehr.

Aber braucht man das wirklich und immer?

Was Kindern mit ADHS ( und AS ) in erster Linie etwas bringt, ist Akzeptanz und Wertschätzung.
Eine bloße Konditionierung auf das Funktionieren in unserer Gesellschaft ist nicht das, was wirklich Sinn macht und von Bestand ist, solange es dem Wesen der Betroffenen nicht gerecht wird.
Unsere Kinder brauchen Verständnis für ihre jeweilige Disposition. Das wird sicherlich im Elterntraining vermittelt.
Aber dann geht es zu den Plänen usw.

Nicht zu unterschätzen : Die meisten Therapeuten haben eine sehr bürgerliche Sicht auf die Welt. Vater, Mutter, Kind . Mama ist ab mittags zu Hause.
Alleinerziehend, berufstätig = Alarm.
Multikulturelle Kompetenz? Fehlanzeige.
Das kann man ihnen nicht vorwerfen, aber vielleicht etwas mehr Zurückhaltung in der Bewertung und bei den Ratschlägen erwarten und von den Guten: Reflexion.
ADHSler haben feine Antennen.

Kinder merken sofort, dass sie etwas trainieren sollen, funktionieren sollen, um zu den anderen zu passen.
Das ist das Gegenteil von Hilfe, Unterstützung und Anerkennung der Person.

Sicher müssen die Kinder lernen, in der Gesellschaft zu recht zu kommen. Es geht nicht, wenn ein ganzes Familienleben aus dem Ruder läuft. Wenn man therapeutische Unterstützung darin bekommt, für sein Kind und sich Wege zu finden, den Alltag positiv zu gestalten, finde ich das gut.

Ziel aber ist: sich mit seiner Disposition auseinander setzen, seine Wahrnehmungen nicht negativeren, sie akzeptieren als Teil der Persönlichkeit, Bedürfnisse erkennen, Stärken sehen, Schwächen “ gnädig“ begegnen, eigene Ziele formulieren, individuelle Handlungsvarianten entwickeln, einen Lebensentwurf versuchen.

Dem jeweiligen Alter entsprechend – ja, das kann man schon ganz früh üben und nennt sich im übrigen Erziehung. Diese ist bei ADHSlern bekanntlich um ein Vielfaches anstrengender.

Wenn das gewährleistet ist, dann braucht es nicht zwingend andere Therapien. Dann reichen auch manchmal MPH und Co.

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Lieber keine, als schlechte Therapie.
Starres Einfordern und Verfolgen von Plänen ist ein Beziehungskiller.
Starre Belohnungssysteme sind Beziehungskiller.
Dem eigenen Kind überwiegend als Co-Verhaltens-Therapeut zu begegnen ist ein Beziehungskiller.

Keine Ausnahmen? Ist das Leben immer gleich?
Stundenpläne nicht nur in der Schule?
Musizieren nicht nach Lust und Laune, sondern weil es geplant ist?
Kann man die Muse so gängeln?

Dem Kind Gelegenheit geben, verschiedene „artgerechte“ Strukturen zu erleben, für sich zu entdecken und die eigene Variante zu entwickeln, das wär was.
Dem Kind Gelegenheit geben, sich mit Betroffenen aus zu tauschen, gemeinsam Lösungen zu finden, das ist gut.
Dem Kind genau das zu zu trauen, das ist wichtig.

Hilfreich: TOKOLive

Eltern wirklich darin unterstützen, eigene Familienstrukturen zu entwickeln, und seien sie noch so ungewöhnlich, das wäre ein Gewinn.
Ohne innere Sicherheit bleibt alles Konditionierung und dementsprechend instabil.

Dabei ist mir schon klar, dass es Menschen gibt, denen es gut tut, ihren Alltagsablauf quasi mit Exeltabelle ab zu haken. Für diese ist es passend und entspricht ihrem inneren Bedürfnis.

Um nicht falsch verstanden zu werden: ich bin nicht gegen Struktur und Regelmäßigkeit im Alltag.
Unserer Gesellschaft mangelt es daran generell.
Ladenöffnungszeiten, Arbeitszeiten, sportliche Aktivitäten, alles flexibel bis zum geht-nicht-mehr….. Zeit zum Arbeiten und Zeit für Muße…..nur noch individuell und jeder anders.
Kein gemeinsamer Rhythmus der Gesellschaft mehr.

Und dabei weiß man doch, wie gut es tut, wenn sich Atemzüge mit Nahestehenden wie von selbst an gleichen…

Da ist es gut, wenn Familie so etwas bietet.

Aber Zwang zur Konformität : nein danke!

Den Gegnern der Pharmokotherapie das Wort reden, nur um nicht als mütterliche Ruhigstellerin und Kindevergifterin da zu stehen? Niemals.

Was ist mit den Risiken und Nebenwirkungen der allseits gepriesenen Multimodalen Therapie?
Nicht zu fassen, was uns da schon zugemutet wurde.
Zum Glück funktioniert mein Alarmsystem.

Mehr Mut, Leute!

Beispielhaft finde ich die Fähigkeiten-Workshops von autWorker.

Sowas fehlt für Kinder/ Jugendliche im ADHS und AS-Spektrum.
Leider.

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